Ein gutes Bauchgefühl mit Virtual Reality im Recruiting

Für das Personalmarketing wird die Möglichkeit, das Unternehmen hautnah via VR zu erleben, immer interessanter. Worauf es dabei ankommt.

Auf VR-Tour bei Jobware, Foto: Jobware
Auf VR-Tour bei Jobware, Foto: Jobware

Wenn normale Menschen, wie Sie und ich, zum Meeresgrund hinabtauchen oder mit Überschall die Stratosphäre durchqueren, dann bedarf es keiner Milliarden teuren Tauch- oder Weltraumtechnik. Mit Virtual Reality (VR) kann man, wie bereits Millionen andere Nutzer, die Immersion ferner Welten erleben. Doch nicht nur im Entertainmentbereich lässt sich VR mit verblüffenden Ergebnissen einsetzen.

Immer mehr Unternehmen entdecken die Wirkung von VR für ihr Employer Branding. Auf namhaften Technik-, HR- und Karrieremessen hat VR längst Einzug gehalten: Als Eye-Catcher oder Teil einer Dienstleistung sind sie ein wahrer Besuchermagnet. Und auch in Stellenanzeigen und auf Karriereseiten ist ihr Mehrwert unüberschaubar. Dazu später mehr.

Klar ist, VR-Technik ist dabei, massentauglich zu werden, und ein neuer Markt für VR-Anwendungen entsteht. Mit VR-Brillen, wie der Oculus Rift oder HTV Vive, wurde ein wichtiger Schritt in Richtung perfekte Immersion gemacht. Das schätzen auch immer mehr Konsumenten: Jeder Fünfte erwägt den Kauf einer VR-Brille (Bitkom); und die Zahl potenzieller Käufer ist bei den 14- bis 28-Jährigen besonders hoch. Und wer sich ein sogenanntes Head-Mounted-Display nicht leisten kann, greift zu einem Cardboard, das mit einem Smartphone zu einer preiswerten VR-Lösung verschmilzt. Google hat bereits mehrere Millionen Cardboards abgesetzt.

Und was sagt der Konsument? Dieser Frage ist Prof. Dr. Wolfgang Jäger von der Hochschule RheinMain nachgegangen. Sein Team im Fachbereich Design, Informatik, Medien hat die Voraussetzungen im „Personalmarketing mit HMD“ untersucht. Statt 360-Grad-Spielewelten wurden den Probanden 360-Grad-Arbeitswelten vorgeführt. Mehr als zwei Drittel der Probanden bestätigten, dass VR-Inhalte im Kontext der Jobsuche geeignet sind, ihr Interesse am Arbeitsplatz zu wecken. Ein Drittel hält sie sogar für eine sinnvolle Ergänzung von Stellenanzeigen, die bislang in der Regel in einer Kombination aus Text und Bild um die Gunst von passenden Kandidaten werben.

Wie stark die Immersion ist, wenn Probanden in virtuelle Welten eintauchen, kann man sogar messen. Mittels Elektroden am Finger der Testpersonen untersuchte das Team von Prof. Dr. Jäger, wie sich der Hautwiderstand während der Betrachtung verändert. Er ist ein Indikator für die emotionale Beteiligung (Stichwort: EDA). Heißt: Wer mehr schwitzt, erfährt ein stärkeres Involvement. So konnte nachgewiesen werden, dass die Betrachtung von 360-Grad-Filmen mit dem HMD oder Cardboard signifikant stärker emotionalisiert als die reine Betrachtung auf dem Smartphone.

Sind Unternehmen zur Überzeugung gelangt, dass VR ein probates Mittels in der Personalwerbung ist, dann stellt sich die Frage, wie VR-Aufnahmen kostenschonend und nachhaltig erstellt, gehostet und präsentiert werden sollen. Bei der Erstellung von VR-Aufnahmen sollte der Kameramann nicht im Bild sein. Hier bieten sich Quadrocopter-Drohnen an, die per First Person View (FPV)-Brille gesteuert werden. Begrenzte Funkreichweiten und ein gewisses Schadenspotenzial, das Drohnen aufgrund beweglicher Teile wie die Rotoren mitbringen, machen diese aber nur bedingt tauglich. Eine Alternative stellen Panoramafotos dar. Die Kamera verweilt hierbei auf einem Stativ.

Wer VR einsetzen möchte, muss sich vor den technischen Herausforderungen jedenfalls nicht fürchten. Wichtiger ist die Frage: Welche Vorteile bietet VR in der Personalwerbung?

Während Jobinserate die „hard facts“, also das Anforderungs- und Tätigkeitsprofil kommunizieren, erlauben VR-Videos einen Blick hinter die Kulissen und fördern damit das Entstehen eines Bauchgefühls für den Job: Sind die zukünftigen Kollegen sympathisch? Ist die Fertigungshalle auf dem neuesten Stand? Wie sieht es in der Kantine aus? Und liegt der Arbeitsplatz inmitten der Natur? Wer potenziellen Bewerbern diese Vorzüge nicht vorenthalten möchte, der hat ein interessantes Einsatzgebiet für VR entdeckt.

Dabei eignet sich VR nicht nur zum passiven Zuschauen. Spezielle Eingabegeräte wie Datenhandschuhe, Flysticks oder omnidirektionale Laufbänder geben schon heute einen Ausblick, wie die Immersion weiter zu steigern ist.

Autor Ulrich Rust referiert zu diesem Thema in seiner Expert Session „Recruiting das begeistert – Virtual Reality in der Personalgewinnung“ auf dem diesjährigen Personalmanagementkongress. Die Session findet im Panel II von 11:45 bis 12:45 Uhr am ersten Kongresstag (Donnerstag, 29. Juni 2017) statt.

Quelle: www.humanresourcesmanager.de

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